Wem gehört der 13 Februar?

Zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens wurde die Stadt erneut zur Kulisse eines Kampfes: Rechtsextremisten und Bürgerschaft rangen ums Gedenken.

Auch dieses Jahr war ich Live dabei als die Stadt Dresden in einen Ausnahmezustand geriet und werde hier die Geschehnisse meines Tages nochmal Revue passieren lassen.

Dies war kein üblicher Sonntagmorgen, denn der Tag begann viel zu früh und mit viel zu wenig Schlaf. Der Grund meines zeitigen Aufstehen war eine Verabredung zum Lernen in der SLUB (sächsische Landes- und Univesitätsbibliothek) und um dort in der Prüfungszeit noch einen freien Platz zu ergattern muss mann pünktlich da sein. Die erste Überraschung des Tages wurde mir schon beim Blick aus dem Fenster offenbart. Nach Tagen milden Wetters (um die 10 °C) hatte es die Nacht ordentlich geschneit. Scheinbar wollte Petrus eine weiße weiche Decke über den braunen Abschaum legen.) Mein Frühstück verspeiste ich mal wieder auf dem Weg zur Bushaltestelle (meine Ma hat mich zwar was anderes gelehrt^^). Bis dato verlief meine Welt noch in den gewohnten Bahnen. Doch je näher ich der SLUB kam umso höher wurde die Polizeipräsenz. Statt dem gewohnten Anblick von gestressten Studenten, sah man auf dem gesamten Campus nur schwarz-gekleidete Polizisten. Gegen 10 Uhr traf der erste Teil unserer Lerngruppe ein und wir tauschten die neusten Nachrichten aus. So wirklich wohl fühlte ich mich in der Gesamtsituation nicht, denn diese Überpräsenz an Staatsgewalt hat für mich immer etwas bedrohliches an sich. Irgendwann tauchte die Polizei dann auch in der Bibo auf und wir machten Witze darüber ob sie den einen Biboausweis ihr Eigen nennen können und das Jacken und Waffen in der Garderobe abzugeben seien. Kurz darauf hallte folgende Durchsage durch die Räume: Sehr geehrte Nutzer und Nutzerinnen, da die Polizei den gesamten Zelleschen Weg gesperrt hat, kann der Haupteingang nicht mehr benutzt werden und die SLUB nur noch über die Cafeterie verlassen werden…. Als die Nachzügler eintrafen  gab es weitere Neuigkeiten. Überall auf dem Campus wurden Personenkontrollen durchgeführt und auf der Bergstraße hagelte es Platzverweise wenn man in Gruppen ab 4 Personen unterwegs war.

An Lernen war an diesem Tag nicht wirklich zu denken. So verliesen wir schon gegen 13 Uhr die SLUB über die Cafeteria, wo ankommende Studenten von der Polizei am Betreten der Bibo gehindert wurden, nur wer einen Schließfachschlüssel sein Eigen nennen konnte wurde durchgelassen. Draußen angekommen wurde wir von den umstehenden Polizisten misstrauisch beäugt. (wir waren zu sechst unterwegs und wurden deswegen wohl als bedrohlich eingestuft). Über Umwege bahnten wir unseren Weg zum Nürnberger Platz wo sich Hunderte von erzürnten Bürgern zu einer spontanen Gegendemo zusammengefunden hatten. Über Twitter hatten wir von der Gegendemo erfahren. Die Polizei versuchte ohne Erfolg mehrfach den Platz zu Räumen, da er unmittelbar an der Route der Neonazis lag. Immer mehr Leute aus den unterschiedlichsten Bildungsschichten strömten zum Fritz-Löffler-Platz. Das Verhalten der Polizisten war größtenteils vorbildlich, ab und an zogen die Eingreiftruppen Personen heraus um die Masse zu demoralisieren. Auch wurde wir eine gewisse Zeit gekesselt, aber ansonsten blieb es auf beiden Seiten friedlich.

Viele Menschen waren an diesem Tag verärgert, weil wiedereinmal der Trauermarsch der Neonazis, welche die Geschehnisse des 13. Februars vor 66 Jahren verdrehen von der Stadt genehmigt wurde. Wohingegen andere Veranstaltungen die sich wirklich mit der Rolle Dresdens im II. Weltkrieg auseinandersetzen wollten, untersagt oder von der Polizei aufgelöst wurden. Auch wurden Menschen daran gehindert zur Menschenkette zu gelangen, um dort im Leisen an die Opfer des 13. Februars zu gedenken.

Es macht mich desweiteren wütend, dass die Polizei als ausführendes Staatsorgan ein Zweilagerdenken propagandiert. Für Sie gibt es nur die Rechten und die Linken. Und Links wird automatisch als gewaltätig und gegen den Staat agierend eingestuft. Dabei befanden sich in dem sogenannten linken Lager viele Studenten (die meisten davon sind nicht linksgerichtet bzw. politisch nicht aktiv) und Bürger aus allen Bildungsschichten, welche garantiert nicht gewaltbereit sind.

Die Polizei bzw. der Staat schießt sich beim Absagen von Gegenveranstaltungen nur selbst ins Knie, da dadurch das Auseinanderhalten der Lager zu einem riesigen Katz-und Mausspiel wird und die Polizei dadurch nur noch mehr unter Druck gerät. Denn eines ist sicher! Die Bürger und Bürgerinnen diesen Stadt werden auch am 19. Februar ihre Meinung auf die Straße tragen und auch daran wird sie die Polizei nicht hindern können.

No pasaran! Wir blockieren wo Nazis marschieren!

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