Saisonauftakt am Talwächter

Endlich war es wieder so weit. Nach monatelanger Abstinenz sollte es am Sonntag endlich wieder raus an den Felsen gehen. Vor lauter Freude sprang ich schon halb 8 Uhr aus dem Bett, obwohl wir erst gediegen gegen 10 Uhr unser Abenteuer starten wollten. Wie es sich für „Sonntagskletterer“ gehört. Immer schön gemütlich war das heutige Motto.

Dementsprechend voll war der Zug Richtung Bad Schandau auch. Den der Tag versprach ein richtig Guter zu werden und das nahmen auch andere zum Anlass in die Sächsische Schweiz zu fahren. Wenn alle Sitzplätze belegt sind, sucht man sich halt einen. In meinem Fall nahm ich hippelig auf der Gepäckablage platz. Generell dauert mir heute alles viel zu lange. Schon bei der Ankunft in Rathen hätte ich am liebsten alle Passanten umgerannt. Ich war voller Energie und die wollte raus! Auch das Übersetzen der Fähre dauerte dank der Unmenge an Leuten einfach mal deutlich länger als sonst. (Normalerweise sind wir schon immer ein paar Stunden eher unterwegs, um dem ganzen Trubel aus dem Weg zu gehen. Aber es ist Anfang März und die Temperaturen früh morgens noch recht frisch.)  Nach dem wir von der Fähre runter waren gab es kein Halten mehr. Mit schnellem Schritt ging es Richtung Talwächter, unser heutiges Ziel.

Talwächter

Der Talwächter von Thomas Pöschmann

Getreu unseres Mottos heute alles etwas ruhiger angehen zu lassen, wurde der Schusterweg als unsere Saisonsauftaktroute auserkoren. Man versprach mir eine sonnige Route zum Einklettern. Doch stattdessen lag sie im Schatten … In meinem Kopf hatte ich mir alles etwas rosiger vorgestellt. Die Realität machte sich schon nach den ersten Griffen bemerkbar. Zum einen wurden die Hände sehr schnell kalt, wodurch man ein wenig das Gefühl für den Stein verliert und zum anderen fühlte ich mich mal wieder wie ein Anfänger. Das liegt wiederum daran, dass ich im Winter den muffigen Kletterhallen mit ihren Plastikgriffen aus dem Weg gehe. Den das Klettern ist für mich vorwiegend ein Naturerlebnis. Ohne den rauen Sandstein und die sagenhafte Aussicht macht es mir nur halb so viel Spaß. Umso mehr freute ich mich endlich in dieser Route zu stecken. Von Beginn an ist der Schusterweg eine schöne Expedition. Der erste Teil besteht aus einem gestuften Kamin, wobei es hier auch überhängende Buckel zu überwinden gilt. Auf dem großen Absatz der Westseite kann man seinen ersten Standplatz bauen und hat dabei einen schönen Blick auf die Rathener Felsenwelt. Leider musste die Kamera im Rucksack bleiben, denn der nächste Abschnitt versprach ziemlich eng zu werden. Nach einem moralischen Übertritt mit schöner Aussicht auf den Abgrund darf man sich auf einen rechtsgeneigten Kamin freuen. Ist einem das Einfädeln in den Kamin geglückt, geht das große Schieben und Drücken los. Umso kleiner und schmaler man ist, umso mehr Bewegungsfreiheit hat man. Dass gute an Kaminen ist, dass man nicht rausfallen kann. Man kann höchstens! stecken bleiben. Hat man sich den Kamin hinaufgearbeitet und diesen linker Hand verlassen, ist man so gut wie oben. Es empfiehlt sich nach dem Kamin einen weiteren Standplatz zu bauen, um alle nachzuholen. Der Rest ist nur noch ein wenig Reibungskletterei. Danach steht man schon auf dem Gipfel samt einer schönen Rundumsicht. Und viel wichtiger. Es gab endlich Sonne! Und was für welche. Um zur Abseile und dem Gipfelbuch zu gelangen, hieß es noch mal Nerven bewahren, denn man muss über eine kleine Kluft springen. Und das von oben nach unten. Sieht aber deutlich schlimmer aus, als es letztendlich ist. Als Abschluss der Route darf man sich gute 50 m abseilen. Das letzte Stück sogar freischwingend. Ein wahrer Genuss!

Fazit: Der Schusterweg beinhaltet alles, was sächsische Kletterei zu bieten hat, und ist damit sehr abwechslungsreich. (Felsstufen, Spalten, Kamine, Übertritte, Reibungskletterei, Sprünge, freischwingendes Abseilen, Mehrseillänge). Allerdings ist es kein Weg für Leute, die sich nicht ein wenig schinden wollen. Den ein paar Hautfetzen wird man auf dem Weg nach oben definitiv opfern müssen. Insgesamt brauchten wir als 3er Seilschaft gute 3h, wobei wir uns jetzt auch nicht sonderlich beeilt haben. Sonntagsklettern halt.

Den restlichen Nachmittag sah dann ungefähr so aus:

talwächter gemütlich

Talwächter2

Am Abend genossen wir noch ein schönes kühles Bier an der Elbe bevor es mit dem Zug zurück nach Hause ging. Ein großartiger Tag!

sonne unter rathenPS: Die Chaoten sind zurück aus dem Winterschlaf!

 

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